'Was bleibt' ist für die Genossen keine Frage

Veröffentlicht am 08.05.2014 in Presseecho

aus Stuttgarter Zeitung vom 2.5.14

Waiblingen. Die SPD erinnert mit einem Vortrag seiner Tochter Nina an den verstorbenen Visionär Hermann Scheer.

von Frank Rodenhausen

 


Am Dienstag wäre der langjährige Waiblinger SPD-Bundestagsabgeordnete und Vorkämpfer einer Energiewende 70 Jahre alt geworden. 'Hermann Scheer - was bleibt', unter diesem Titel hat die örtliche SPD ihrem einstigen Vordenker, der vor dreieinhalb Jahren überraschend gestorben ist, einen politischen Abend im Waiblinger Bürgerzentrum gewidmet.

'Er hätte eine solche Veranstaltung bestimmt nicht ungern gesehen', sagt der Kreisvorsitzende der SPD, Jürgen Hestler, 'aber ich bin mir nicht sicher, ob er hier gewesen wäre'. Hermann Scheer wäre wohl irgendwo anders in der Welt unterwegs gewesen, vermutet Hestler, wie immer darum bemüht, andere wach zu rütteln und von seinen Visionen zu überzeugen. 'Was bleibt' ist für Hestler deshalb keine Frage. 'Ich würde ein Komma dahinter setzen' - und dann unter anderem auflisten: 'Was bleibt, ist eine große Zahl ehemaliger Mitstreiter, die in seinem Sinne weitermachen; eine hohe Anerkennung; die Realisierung des Ausstiegs aus der Atomenergie; eine grün-rote Landesregierung.' Und: 'Eine junge Frau, die nicht einfach in seine großen Fußstapfen getreten ist, sondern sich selbst einen eigenen Namen gemacht hat.'


Hermann Scheers Tochter Nina ist die Hauptrednerin des Abends. Natürlich wird von ihr auch erwartet, dass sie die Was-bleibt-Liste erweitert. Doch die 42-Jährige geht nur relativ kurz auf die Lebensleistung ihres Vaters ein. Er sei ein Vordenker gewesen, der seine Visionen so vermittelt habe, dass dies Menschen veranlasste, etwas anzupacken, sagt die Frau die im vergangenen Jahr im schleswig-holsteinischen Wahlkreis Lauenburg selbst ein Bundestagsmandat für die SPD errungen hat. Hermann Scheers Überzeugungsarbeit und die Summe anderer Impulse habe dazu geführt, dass die Energiewende jetzt tatsächlich mehr als ein bloßes Hirngespinst sei.


Vor dem jüngsten Wahlplakat ihres Vaters, das dessen Konterfei und die Aufforderung 'Vorausschauen' zeigt, vermittelt Nina Scheer dann aber ihre eigene Sicht der Dinge. Sie sagt, dass man die Tatsache, dass ein Viertel des Stroms bereits aus erneuerbaren Energien gewonnen werde, als einen Erfolg werten könne. Gleichzeitig aber betont sie, dass der Interessenskonflikt zwischen den Profiteuren herkömmlicher Energiegewinnung und jenen, die auf erneuerbare Quellen setzten, deshalb nicht geringer geworden sei. Im Gegenteil: der Widerstand spitze sich zu, die Methoden der Besitzstandswahrer würden subtiler.


Der Ruf nach mehr Markt im Stromhandel etwa sei eine Scheinkampagne. Akteure, welche die Entwicklung entscheidend vorangebracht hätten - Bürger, Genossenschaften und Stadtwerke - sollten durch die vermeintlich freie Ausschreibung der Leistungen aus dem Markt gedrängt werden. Auch über den Strommarkt hinaus angestrebte Freihandelsabkommen mit den USA oder Kanada bärgen große Gefahren. Werte wie Umweltschutz oder Gesundheitsstandards drohten verloren zu gehen, weil ihre Einhaltung nicht mehr kontrollierbar wäre. 'Wir müssen befürchten, dass sich einige Wirtschaftsakteure eine neue Ordnungsstruktur schaffen. Das ist eine große Gefahr für Demokratie.' Am Ende kommt sie dann doch noch einmal zurück auf die Überschrift ihres Vortrags. Was bleibt? 'Auch Hermann Scheer hat und hätte diese Themen angesprochen', sagt Nina Scheer. 'Es ist jetzt an jedem von uns, diesen Impuls aufzugreifen und die richtige Aktivität zu entfalten.' Mit dem Abend im Bürgerzentrum sei hoffentlich ein weiterer Impuls gesetzt worden. Es gelte nun, auch diesen weiterzutragen.

 

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